Sara in der Flickstube beim Gespräch mit einer Kundin.

Wenn Armut ein Gesicht bekommt

Natürlich kenne ich Armut – zum Beispiel aus dem Fernsehen und aus der Presse. Doch diese Armut war immer abstrakt. Was aber gar nicht abstrakt war: meine Begegnung in diesem Sommer mit Sara H., einer jungen Mutter aus Syrien. Diese Begegnung berührte mich, brachte mich zum Nachdenken. Weil Verzweiflung für mich zum ersten Mal ein konkretes Gesicht bekam.

Das Pech des falschen Schicksals

Ich traf Sara H., weil ich über sie den Text schreiben durfte, der  im aktuellen Caritas Magazin Nachbarn erschienen ist. Das Frappante: Auf den ersten Blick ist Sara H. ein Mensch wie du und ich – sympathisch, offen, warmherzig, engagiert. Und dennoch trennen Sara und mich Welten. Weil Sara das Pech hatte, zu einer falschen Zeit in einem falschen Land zu leben. Ein Pech, das mit ihrer Flucht von Syrien in die Schweiz leider nicht zu Ende ist.

Die Kraft für sein Leben zu kämpfen

Der Unterschied zwischen Saras und meinem Leben: Ich kann Chancen nutzen und mein Leben selbstständig gestalten. Als vorläufig aufgenommener Flüchtling erhält sie kaum Möglichkeiten für eine Erwerbstätigkeit, jede Extraausgabe für ihre Kinder erkämpft sie hart und sie braucht sehr viel Kraft, um trotz ihrer jungen 31 Jahre nicht den Mut zu verlieren. Doch Sara hat diese Kraft. Dafür bewundere ich sie.

Mehr Solidarität zeigen

Das Gespräch mit Sara zeigt mir, wie zufällig mein bescheidenes Glück ist. Für diesen Zufall kann ich nichts. Aber ich kann etwas dafür, wie ich mit diesem glücklichen Zufall umgehe. Denn der Entscheid, ob ich mich engagiere oder nicht, der liegt bei mir. Für mich persönlich habe ich diesen Entscheid getroffen – den Entscheid, mehr hinzuschauen, mehr Solidarität zu üben, mehr zu spenden. Auch dafür möchte ich Sara danken.

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