Armut und Psyche

Armut wirkt sich negativ auf die Gesundheit und die Gemüter der Betroffenen aus. Dazu gibt es diverse Studien. Ich versuche, dies mit positivem Denken umzukehren.

Glaube macht stark. Was ich glaube, über mich, die Andern, das Leben, bestimmt, welche Fragen ich mir stelle und welche Antworten ich suche. Wie gehe ich mit meiner Situation um? Bleibe ich in der Hilflosigkeit gefangen, oder suche ich nach Lösungen für meine Probleme? Ein Beispiel aus dem Alltag: Heute Morgen musste ich zum Frühstück trockenes Brot essen. Eigentlich mag ich kein trockenes Brot, doch ich hatte keine Zeit, frisches einzukaufen, und war hungrig. Beim Brotschneiden habe ich mir auch noch kräftig in den Finger geschnitten. Eine Möglichkeit, mit der Situation umzugehen: Fluchen, weil ich mir in den Finger geschnitten habe, und Selbstmitleid, weil ich altes Brot essen muss und weil sowieso das Geld kaum reicht.

Armer Tropf oder glückliche Gewinnerin?
Von dem Moment an, wo ich das Brot auspackte, bis zum Zeitpunkt, als ich mir in den Finger schnitt, sind nur wenige Sekunden vergangen. Ich kann den Fokus nun auf mein Versagen und das alte Brot richten. Und alles mögliche Negative hineinpacken. Oder ich kann das Geschehene zur Kenntnis nehmen und froh sein, dass ich mir nicht gleich den ganzen Finger abgeschnitten habe. Das trockene Brot als Nahrung ansehen, die mir im Moment den Hunger stillt. Je nachdem fühle ich mich als armer Tropf oder als glückliche Gewinnerin. Ich habe es in der Hand.

Gewohnheiten überlisten
Armut hat mit dem, was ich glaube, mir selbst sage und von andern höre zu tun. Aber auch damit, was die Anderen glauben und sagen. Auf jeden Fall: wie ich die Situation beurteile, wirkt sich, ob mir das nun passt oder nicht, auf meine Emotionen und auf meine Gemüt aus. Also will ich positiv bleiben und versuchen, mich nicht von Schwierigkeiten beeinflussen zu lasssen. Klar, das geht nicht automatisch. Es ist nicht einfach und die Gewohnheit spielt eine grosse Rolle. Übung macht den Meister!

Üben – und es klappt
An folgendem Beispiel übe ich gerade: Ich warte seit Monaten darauf, dass uns die Sozialarbeiterin das zugesicherte Schulgeld zurück erstattet. Geld, das ich für die Projektwoche meiner Tochter ausgegeben habe, an der die ganze Klasse teilnehmen musste. Immerhin sind es ein paar hundert Franken, die bei einem Budget wie dem unseren unverzichtbar sind. Wieder geht es darum, welche Bedeutung ich der Tatsache gebe, dass ich so lange auf dieses dringend benötigte Geld warte. «Ich bin dieser Frau doch egal!» oder «Die will mich bloss schikanieren!» – Beides ist möglich, doch wissen tu ich’s nicht. Vielleicht ist sie ja mit ihrer Arbeit überfordert und steht unter Druck. Also richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Momente, bei denen es geklappt hat und in Zukunft klappen wird. Ich bemühe mich, die Frau unvoreingenommen zu verstehen und ihr das auch zu zeigen. Und bin positiv, weil ich mich nicht mehr als ihr Opfer sehe, das schikaniert wird, sondern die Gelegenheit nutze und mir in Gedanken ausmale, wie sich die Situation weiter entwickeln könnte. Ehrlich gesagt, schaff ich das nicht immer auf Anhieb, doch die Erfolge sind nicht von der Hand zu weisen: Ich fühle mich viel besser und es gelingt mir öfter, mit schwierigen Gegebenheiten spielerisch umzugehen.


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2 Kommentare

  • Reply Marcel Hayn 7. April 2013 at 17:30

    Ich glaube, dass es primär mit der veränderten Lebensweise zu tun hat, im Falle von Armut. Man geht weniger an die Luft und man ernährt sich schlecht. Dies wiederum macht physisch krank. Ich denke daher, dass Armut nicht nur psychisch, sondern auch physisch krank macht.

  • Reply Marcel Hayn 7. April 2013 at 17:30

    Ich glaube, dass es primär mit der veränderten Lebensweise zu tun hat, im Falle von Armut. Man geht weniger an die Luft und man ernährt sich schlecht. Dies wiederum macht physisch krank. Ich denke daher, dass Armut nicht nur psychisch, sondern auch physisch krank macht.

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