Verteilung der Einkommen in der Schweiz sehr ungleich.

Einkommen: Die Ärmsten werden ärmer

Die 62 Reichsten dieser Welt besitzen gleich viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Das konstatiert das Hilfswerk Oxfam in seiner Studie. Wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Nimmt die Einkommensungleichheit zu oder ab? Und was bedeutet dies für Armutsbetroffene?

Das Recht auf Unterstützung in Not

Bezüglich Einkommensungleichheit bewegt sich die Schweiz im europäischen Mittelfeld. Dies ist vor allem unserem Sozialstaat zu verdanken, der jeder und jedem Anrecht auf ein Existenzminimum gewährt. Krankheit, Scheidung, Jobverlust – egal welche Wendung unser Leben nimmt, wir haben ein Recht auf Unterstützung in Not.

Schlechte Wirtschaftssituation = kleinere Ungleichheit

Und obwohl diese Unterstützung in Not – das sogenannte Existenzminimum – hart umkämpft ist, bleibt das unterste Ende der Einkommensverteilung relativ stabil. Wie eine Studie des FORS und der Universität Neuchâtel zeigt, hängt die Zu- oder Abnahme der Einkommensungleichheit viel stärker von der Entwicklung der hohen Einkommen ab. Am oberen Ende der Verteilung bewegen sich die Einkommen viel stärker. Geht es der Wirtschaft gut und nehmen die höchsten Löhne entsprechend zu, vergrössert sich die Einkommensungleichheit. Haben wir eine Krise und die Löhne sinken, nimmt die Ungleichheit wieder ab. Wie gross die Einkommensungleichheit ist, hängt deshalb stark von der aktuellen Wirtschaftssituation zusammen.

Einkommensverteilung irrelevant

Wenn die Einkommensverteilung vor allem Aussagen darüber macht, wie sich die oberen Einkommen entwickeln, ist sie aus einer armutspolitischen Perspektive kaum interessant. Für die Situation der untersten Einkommensschichten ist das verfügbare Äquivalenzeinkommen relevant. Es berechnet, wie viel nach Abzügen von obligatorischen Abgaben wie Steuern Ende Monat für den Lebensunterhalt (inklusive Wohnen und Gesundheitskosten) übrig bleibt.

Nur die Ärmsten werden ärmer

Der Sozialbericht des Kantons Bern 2015 – übrigens der einzige Kanton, der Armut so umfassend untersucht – stellt fest, dass die Einkommen der untersten zehn Prozent sinken. Und zwar massiv. Hatten die zehn Prozent ärmsten Haushalte 2001 noch 15’224 Franken im Jahr zur Verfügung, waren dies 2013 gerade noch 10’725 Franken.

Integration in den Arbeitsmarkt fehlt

Das verfügbare Einkommen ist faktisch um einen Drittel gesunken. Grund dafür ist, dass immer mehr Haushalte nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert sind. Diese Schrumpfung des Einkommens lässt sich nur bei den Ärmsten feststellen, die Einkommensschichten darüber konnten alle einen Zuwachs verzeichnen.

Teilhabe ist gefährdet

Die Ärmsten in der Schweiz werden also ärmer. Gleichzeitig wird am Existenzminimum in der Sozialhilfe immer mehr abgezwackt. Ohne Existenzminimum können sich die Betroffenen keine Teilhabe an unserer Gesellschaft leisten. Ohne Teilhabemöglichkeit wird der Ausstieg aus der Armut verunmöglicht.

Deshalb: Egal ob die Einkommensschere zu oder aufgeht, wichtig ist, dass die untersten Einkommen wieder steigen.

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6 Kommentare

  • Reply Sara Casiz 3. April 2016 at 12:26

    Liebe Autorin

    Danke für die Links in Sachen Armut vom Kanton Bern http://www.gef.be.ch/gef/de/index/soziales/soziales/sozialbericht_2008.html#originRequestUrl=www.be.ch/sozialbericht
    ist sehr interessant.

    Besonders die Grafik auf Seite 13…. (könnt ihr die zum Kommentar anhängen hier bitte)
    (Anmerkung: Haben wir von Caritas Zürich auf Wunsch nachträglich in den Kommentar eingebaut.)

    Der Kanton Bern in der Vorreiterrolle: Armutsbericht 2015

    620 TelefonInterviews auf Deutsch, Französisch und Englisch (siehe Seite 19). Doch obwohl es beeindruckt bin ich mir nicht sicher ob die Studie als repräsentativ gelten kann – statistisch.

    Aber ich hoffe doch sehr das mehr Kantone dies tun werden. Der Report ist lesenswert 105 Seiten.

    • Reply Cordula Bieri 11. April 2016 at 9:32

      Liebe Frau Casiz, herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Verglichen mit sonstigen Studien im Bereich Armut habe ich den Eindruck, dass die Studie sehr repräsentativ ist.
      Armutsbetroffene Menschen nehmen normalerweise selten an wissenschaftlichen Untersuchungen teil. Dass es hier gelungen ist, 620 Interview mit Armutsbetroffenen zu führen, ist eine grosse Leistung und ergibt sehr gute Einblicke. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich die Zahlen ausschliesslich auf den Kanton Bern beziehen.
      Ich stimme Ihnen absolut zu, dass es nun auch in anderen Kantonen solche Bestrebungen braucht. Im Kanton Zürich wurde im Februar eine Anfrage dazu im Kantonsrat eingereicht.

      Siehe Anfrage: Armut und Armutsbekämpfung im Kanton Zürich – einfach anklicken

  • Reply Ridli Webagentur 10. April 2016 at 21:27

    Danke für interessanten Beitrag!

    Ich bin mit der Autorin ganz einverstanden.
    Das ist eine traurige Wahrheit!

    Und einige Worte nicht zum Thema – bezüglich des Webdesigns – ich finde es sehr schön und originell.

    • Reply Cordula Bieri 11. April 2016 at 9:37

      Liebe Ridli Webagentur, danke fürs Feedback!
      Das Lob zur Website leite ich gerne unserer Social Media-Frau Sophie Fürst und und Urs E. Gattiker von DrKPI weiter.
      Liebe Grüsse

      • Reply Urs E. Gattiker 12. April 2016 at 8:03

        Liebe Cordula
        Liebe Riedl Webagentur

        Danke für das Lob 🙂
        Wir hoffen, dass der Blog Euch weiterhin viel Spass machen wird bei der Caritas-Zuerich.

        Das Team um Sophie Fürst hat auch alles exzellent vorbereitet und umgesetzt.
        Dies macht uns die Arbeit einfacher und wir – Jana Akyildiz und ich — hatten dabei doppelt soviel Spass wie dies so üblich ist.

        Merci.
        Grüessli
        Urs

  • Reply Sophie Fürst 12. April 2016 at 10:29

    Besten Dank für das Kompliment, welches ich gerne meinem ganzen Team weiterleite. 🙂

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