Caritas Markt WInterthur

Es ist nicht leicht, Positives zu schreiben

Bei jeder positiven Meldung kommt jemand, der mit Wermuts- oder Neidtropfen eine schöne und sinnvolle Idee zerstören will. Warum? 

Seit der Neueröffnung des Caritas-Marktes an der Reitergasse gehe ich oft dort einkaufen. Das erste Mal, ich muss noch immer lächeln, hat mir die Dame an der Kasse motiviert zugerufen: «Der Caritas-Markt nur für Kunden mit einer Einkaufskarte.» Ich konnte sie mit der KulturLegi beruhigen.

Scham

Nicht nur im Kanton Zürich gibt es Caritas-Märkte. Auf meinem Facebook-Profil hatte ich letzthin über den Caritas-Bus in Allschwil berichtet. Im rot-weissen Fahrzeug konnten Menschen mit knappem Budget dreimal pro Woche einkaufen. Ich fand ihn eine gute Idee. Soeben aber musste ich lesen, dass dieses Projekt abgebrochen wird. Zu wenig Kunden. Vermutlich genau aus demselben Grund, aus dem Menschen, die dazu berechtigt wären, nicht aufs Sozialamt gehen: Scham.

Neid

Nun aber zeigt sich der Neid der Nicht-betroffenen. Kaum hatte ich das geschrieben, mich lobend geäussert, bekam ich verschiedene Nachrichten:
«Wer kauft dort ein? Vermutlich vor allem knickrige Gutsituierte…»
«Man sieht den Leuten ja nicht an, wie gross ihr Konto ist. Aber wenn das so ist mit dem Ausweis, ist es ok…»
«Ich habe schon von ‹Herrschaften› gehört, die mit ihrem ‹Personal›, welches einen rechtlichen Anspruch auf vergünstigte Nahrungsmittel hat, in solchen Läden einkaufen geht – für Parties u.ä.! Die werten Gäste merken ja nicht, ob die Haushälterin Consuela die Zutaten bei Coop oder im ‹Arme-Leute-Laden› gekauft hat.»
Und weiter: «Zwei dieser oben genannten ‹Herrschaften› habe ich im Casino Schaffhausen kennengelernt und laut ihrer Aussage sind sie nicht die Einzigen ihrer ‹Klasse›, die solche Spielchen treiben! Ein Schlag ins Gesicht der WIRKLICH Bedürftigen. Es handelte sich übrigens um einen Banker und einen Versicherungsfachmann aus Zürich, beide Mitte 50.»

Wir, die anderen

Wir, die eine KulturLegi oder eine Caritas-Einkaufskarte besitzen, sind froh um den Caritas-Markt. Wir, die Mehrheit, sind keine «knickrige Gutsituierte». Viele wollen das wohl nicht wahrhaben.

Es ist verständlich, dass sich auch der K-tipp den Caritas-Märkten angenommen hat. Ich glaube, jedem ist klar, dass gewisse Dinge bei Migros oder Coop günstiger sind. Ich glaube aber nicht, dass Caritas auf dem Buckel von bedürftigen Menschen Gewinne machen will.

Verstehen Sie nun, wie schwierig es ist, über Positives zu schreiben? Auch wir Menschen mit knappem Budget werden immer Neider haben, die sich nur negativ zu sinnvollen Ideen äussern können.

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