Gesundes Essen ist keine Kostenfrage

Im Rahmen von «Zürich isst» findet am 22. September im Caritas-Markt ein Vortrag zum Thema «Gesund essen – eine Kostenfrage?» statt. Wir wollten dazu Genaueres von Referent Luca Casetti wissen. Ist gesunde Ernährung tatsächlich teurer als ungesunde?

Sophie Fürst: In der Schweiz können sich nicht alle gesundes Essen leisten. So eine weitverbreitete Überzeugung. Sie, Herr Casetti, widersprechen dem?

Luca Casetti: Ja. Wir haben einen gesunden Warenkorb mit vielen Früchten und Gemüse zusammengestellt und ausgerechnet, was dieser kostet. Zwar ist er etwas teurer als der ungesunde Warenkorb mit zum Beispiel mehr Pasta oder Würsten. Aber wir haben Folgendes herausgefunden: Ein Haushalt mit tiefem Einkommen gibt im Monat durchschnittlich mehr für Essen aus, als der gesunde Warenkorb kosten würde.

Was ist in einem solchen gesunden Warenkorb denn drin?

Wir haben uns an der Lebensmittelpyramide orientiert. Man sollte versuchen, stets viele Früchte und viel Gemüse zu essen. Am besten fünf Portionen pro Tag. Insgesamt sollte der Tages- bzw. Wochenkonsum ausgewogen sein, also Teigwaren oder Käse sind kein Tabu! Was wir aber zu viel konsumieren sind Getränke mit hohem Zuckergehalt und auch Fleisch.

Das klingt eigentlich einfach. Warum ernähren wir uns dann ungesund?

Da gibt es verschiedene Erklärungen. Eine davon ist: Essen bedeutet Arbeit. Man muss sich mit den verschiedenen Nahrungsmitteln auseinandersetzen, sich dafür interessieren. Zudem ist günstiges gesundes Essen meist nicht fertig zubereitet. Das heisst, man muss sich auch Zeit nehmen zum Kochen und am besten auch Freude daran haben. Gerade die Zeit kann aber zum Beispiel bei Working Poors knapp sein, weil sie Schicht oder sonst viel arbeiten müssen.

Besten Dank für Ihre Ausführungen. Noch eine letzte Frage: Was hat sie bewogen, Ihr Referat im Caritas-Markt zu halten?

Die Kosten werden als beliebtes Argument aufgeführt, um weniger gesund zu essen. Im Caritas-Markt kaufen Menschen mit wenig Geld ein. Und ihnen möchte ich zeigen, dass dieses Argument nicht stimmt. Man kann mit kleinem Budget sehr wohl gesund essen. Unsere Studie hat gezeigt, dass Menschen mit wenig Geld dieses sogar effizienter für gesunde Lebensmittel ausgeben als Wohlhabende. Zwar lassen vermögende Leute mehr Geld im Laden liegen, jedoch sind ihre gekauften Lebensmittel nicht ausgewogener. Haushalte mit geringem Einkommen investieren somit klüger in gesunde Ernährung.

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Luca Casetti ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL). Er hält am 22. September im Caritas-Markt an der Reitergasse ein Referat zum Thema «Gesund essen – eine Kostenfrage?».

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