«Grüezi. Ich bin Fahrender.»

Fahrende tragen zur kulturellen Vielfalt in der Schweiz bei. Bernhard Jurman, Sozialarbeiter bei Caritas Zürich, berät Fahrende und gibt Einblick in seine Arbeit.

«Grüezi. Ich bin Fahrender. Sind Sie der zuständige Berater für Fahrende?» Ja, das bin ich. Seit etwas mehr als drei Jahren bei Caritas Zürich für den Fachbereich Fahrende zuständig. Fahrende sind in der Schweiz seit 1998 als nationale Minderheit anerkannt. Etwa 2’000 bis 3’000 Personen sind aktiv fahrend. Das bedeutet, dass sie jeweils von Frühling bis Herbst auf Reise gehen. Ein Grossteil von ihnen gehört der Volksgruppe der Jenischen an, ein kleiner Teil ist Sinti. Sie zu beraten erfordert entsprechendes Wissen über ihre geschichtlichen Hintergründe, ihre Kultur und ihre Lebensbedingungen.

Kulturelle Vielfalt
Fahrende, die unser Beratungsangebot nutzen, leben meist in Wohnwagen und mobilen Häusern. Sie sind zwischen 21 und 50 Jahre alt und Schweizerinnen und Schweizer. Mehr als die Hälfte sind selbstständig erwerbend.

«Ich bin in einer schwierigen Situation. Kann ich bei Ihnen vorbeikommen?» Während des Telefonats konkretisiert sich das Anliegen des Anrufers und wir vereinbaren ein Beratungsgespräch. Fahrende, die ihren Lebensunterhalt als selbständige Handelstreibende und Dienstleistungsanbietende verdienen, sind bei Krankheit mit einem Erwerbsausfall konfrontiert. Haben sie keine Taggeldversicherung abgeschlossen – was häufig der Fall ist – bedeutet dies einen finanziellen Engpass. Dann können beispielsweise die Leasingraten für den Wohnwagen der Familie oder die Gebühren für den Platz nicht mehr fristgerecht bezahlt werden. Und es kommt zu Rückständen bei den Zahlungsverpflichtungen.

Existenz der Familie sichern
Im Gespräch analysiere ich gemeinsam mit der Familie die finanzielle Situation und erstelle ein Budget. Wir stellen die Einnahmen der Familien den Ausgaben gegenüber. Oft zeigt sich dabei, dass keine Prämienverbilligung für die Krankenversicherung bezogen wird.

Wurde keine Steuererklärung eingereicht, kann auch keine Prämienverbilligung beantragt werden. Wir bieten deshalb Unterstützung beim Ausfüllen der Steuererklärung und informieren über den Anspruch auf Prämienverbilligung. Das entlastet das Budget der Familie nachhaltig und längerfristig.

Platz schaffen
Ein ausreichendes Platzangebot ist die Grundlage, damit Fahrende mit Handel, Handwerk und dem Angebot von Dienstleistungen die Existenz für sich und ihre Familien sichern können. Es braucht konkret genügend Stand- und Durchgangsplätze. Darum machen wir auf die fahrende Lebensweise aufmerksam und versuchen damit die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Schweizer Fahrenden zu verbessern.

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