Erzeugt Hoffnung: Wenn man ein Zuhause, sogar mit Garten findet.

Hoffnung ist unser einziger Weg

Liebe Belinda,

Herzlichen Dank für deine E-Mail. Ich freue mich sehr, dass du wieder gesund bist, auch uns geht es jetzt besser.

Schwer war es im Krieg. Der Weg zum Neubeginn war steinig und hart, aber man darf nie aufgeben. Viele Wunden, viele Obdachlose, verlorene Menschen, Leid und Leere beherrschten unser Land. Jetzt müssen wir mit Liebe und Hoffnung erfüllt sein.

Du hast nach Besa gefragt. Wie du schon weisst, hat sie ihren Mann und Sohn in Krieg verloren und ihr Haus wurde abgefackelt. Sieben Monate später sie war vom Militär sexuell vergewaltigt und deswegen sie wurde schwanger. Sie hat jetzt eine wunderschöne unschuldige Tochter mit dem Namen Hana. Anfangs wohnte sie bei der Cousine. Dort war es ziemlich eng. Im Büro bei der Arbeit sprach eine Kollegin über einen verwahrlosten Garten. Ich ging dorthin, um mir das anzuschauen. Es sah aus wie im Dschungel, alles verwachsen und unübersichtlich, mitten drin hatte es eine Baracke mit zwei Zimmern. An der Wand in der Küche war eine Flöte und in der Flöte war ein Brief.

Die Besitzerin von diesem Garten hat an die Gemeinde geschrieben:

Liebe Gemeinde,

Meine Kinder sind nicht mehr zurück gekommen. In der Nähe vom See habe ich die Flöte von mein Enkel Drini gefunden, ein wenig weiter habe ich Blutspuren bemerkt. Seit zwei Wochen bin ich allein hier, nur ich und ein paar Raben.

Diese Monotonie kann ich nicht mehr ertragen. Ich gehe weg und wenn ich nicht überlebe, dann geben Sie bitte meine Baracke und meine Garten an eine Witwe. Sie kann hier Gemüse und schöne Blumen pflanzen, den unser Land braucht mehr vom Duft des Lebens, Duft des Friedens und Duft der Hoffnung …

Mit liebe Grüsse, eure Tirana

Meine Hände zittern noch heute, wenn ich mich an diesen Brief erinnere. Das habe ich sofort an die Gemeinde geschickt und Name mit Telefonnummer von Besa gegeben. Am nächsten Tag ruft mich Besa an, sie wusste nicht, dass ich diesen Garten gefunden habe. «Endlich ein Chance für mich», sagte sie. Mir fielen Tränen von den Augen.

Seitdem lebt Besa gut dort. Sie hat Kleider und Möbel und viele andere Schulsachen von Caritas für die Tochter bekommen. Es wäre sonst schwierig zu überleben. Am Anfang wir waren Flüchtlinge in unserem Land. Aber Besa will kein materielle Hilfe mehr, sie arbeitet viel. Sie hat Radieschen, Kartoffeln, Zwiebeln und Salat gepflanzt, dazu verkauft sie Blumen und Gemüse . Ich besuche sie oft. Wir sitzen im Garten, die Blumen duften und wir erzählen uns Geschichten über Hoffnung. Manchmal schweigt sie.

Einmal habe ich gefragt «warum schweigst du heute, bist du traurig»? «Nein», sagte sie. «Keine Zeit für Leiden, ich bin reich mit Blumen, Amsel, Schmetterlinge, Vögeln, Käfer, meine Tochter und meinen Garten.» An einem anderen Tag sagt Sie mir: «Was ich ertragen habe» und weinte.

Oft spielt Sie mit Drinis Flöte. Besonders wenn es windig und grau ist. Sie meinte, der Wind träge die Töne der Flöten dorthin, wo Drini jetzt ist.
Ja, Besa arbeitet viel, ihre Hände sind zerrissen von den Blumen, aber sie hat Hoffnung gefunden, Hoffnung ist unser einziger Weg. Heute können wir über den Garten sprechen, als wäre er ein Märchen. Er war wie ein Dschungel und jetzt ist er ein Paradies. Und dieses Paradies heisst: Tirana. Ich glaube, du kommst uns besuchen, um denn Duft der Blumen zu geniessen.

Liebste Grüsse

Saranda

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