AHV: Solidarität bedeutet, dass Jung und Alt zusammenarbeiten.

Jung und Alt als Ying und Yang

Ist es richtig, was ich gelesen habe in Umfragen zur AHV Revision? Immer mehr junge Menschen befürworten, dass wir bis 70 arbeiten sollen? Weil sie die Alten nicht alle «füttern» können?

Viele Befragte zwischen 20 und 30 können sich durchaus vorstellen, bis 70 zu arbeiten. Soso, können sie das? Sind sie sich bewusst, dass Autofahrer mit 70 – zu Recht – ihre Fahrtüchtigkeit testen lassen müssen (Sehvermögen, Gehör, Reaktionstempo, physische Kraft beim Bremsen)?

Gegenseitig statt gegeneinander

Doch ist es nicht allgemein bekannt, dass es ab 50 kaum mehr möglich ist, einen Job zu bekommen? Gerade viele der jungen Menschen halten die Alten grundsätzlich für langsam und nicht mehr technik-kompatibel und möchten sie am liebsten aus dem Arbeitsmarkt abschieben. Nun, auch wir Alten haben Vorurteile. Doch könnten wir uns viel geben – gegenseitig. Man muss nicht gleich sein, um zusammen zu sein. Mut und Besonnenheit, Frische und Reife, Erfindergeist und Erfahrung, Sturm und Ruhe ergänzen sich. Sie sind die Ying und Yangs des Lebens.

Solidarität im Bildungswesen?

Die Ausbildungen sind heute natürlich viel umfassender und dauern länger als vor 40 Jahren. Wir müssen schliesslich konkurrenzfähig bleiben. Das ist sinnvoll. Die Bildungsausgaben verschlingen deshalb je nach Kanton zwischen 24 und 32 % der Steuereinnahmen. Steuern, die von Menschen bezahlt werden, die schon ihr ganzes Leben gearbeitet haben. Von Menschen, die vielleicht nicht mal Kinder hatten und somit die Ausbildung von Fremden finanzieren. Von Fremden, die sich länger ausbilden und später anfangen zu arbeiten und Steuern zu zahlen. Aber vielleicht holen sie das irgendwann nach, indem sie bis 75 arbeiten. Oder wie genau funktioniert Solidarität?

Schlussendlich stehen Bildungsinvestitionen von oft über 30 Milliarden im Jahr einem AHV-Defizit von knapp 600 Millionen (2015) gegenüber.

Machen wir es besser als die Politiker

Ich denke, dass junge Menschen das Prinzip der Solidarität durchaus verstehen. Deshalb sollten Politiker nicht versuchen, die Altersklassen gegeneinander aufzuhetzen.

Oder was meinen Sie? Was können wir tun, um die gegenseitige Anerkennung zwischen Alt und Jung zu fördern?

***

Lesen Sie auch:

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht für Ältere heimlich Apartheid (NZZ am Sonntag)

340 Bewerbungen für nichts – Der traurige Bericht einer Ü-50-Arbeitslosen (Aargauer Zeitung)

ähnliche Artikel

Keine Kommentare

Rückmeldung hinterlassen