(K)ein Pult auf Weihnachten

Immer wieder rufen Menschen bei Caritas an, die ausrangierte Möbel oder Kleider direkt Armutsbetroffenen in der Region schenken wollen. Eine schöne Idee, die sich aber leider nicht umsetzen lässt.

Weihnachten steht vor der Tür! Viele Menschen denken nicht nur an ihre Liebsten und womit sie sie überraschen wollen, sondern auch an Menschen, die dringend Hilfe brauchen. Das spürt auch die Caritas Zürich. Um die Weihnachtszeit darf ich nämlich besonders viele Spenden in den Computer eintippen. Diese grosse Solidarität zu erleben, ist jedes Jahr eine Riesenfreude.

Ein Schlafzimmer für eine Familie
Nun gibt es auch Leute, die kein Geld spenden, sondern Direkthilfe leisten wollen. Etwa indem sie ihren ausgedienten Schreibtisch einer kinderreichen Familie schenken möchten, die finanziell knapp da steht. Jemand anderes will eine aus der Mode gekommene Schlafzimmereinrichtung einem Paar mit kleinem Budget weitergeben. Und der Wintermantel, der noch tragbar ist, soll eine neue Besitzerin wärmen, die sich sonst keinen leisten könnte. Nehme ich diese telefonischen Anfragen entgegen, sind die Anrufenden jeweils enttäuscht, wenn ich Ihnen sage, dass wir den Schreibtisch, das Schlafzimmer und die Daunenjacke niemandem vermitteln können. Zwar fänden auch wir eine solche 1:1-Hilfe eine wunderbare Sache, doch ist es eher unwahrscheinlich, dass gerade dann, wenn eine Familie einen Schreibtisch spendet, das Möbel woanders benötigt wird. Oder dass nach der Spende des Daunenmantels eine Frau am Schalter steht, die friert und für die die Jacke genau das Richtige wäre. Würden wir die Waren trotzdem entgegen nehmen, müssten wir sie zwischenlagern. Dazu bräuchten wir Platz. Platz den wir nicht haben.

Und der Kreis schliesst sich doch
Erkläre ich den Anrufenden, dass aus den oben erwähnten Gründen kein Vermittlungsdienst möglich ist, stosse ich oft auf Unverständnis, schliesslich möchten sich diese Menschen ja für andere engagieren. Kleiderspenden werden bei Caritas-Secondhand gerne entgegen genommen. Bei grossen Materialspenden wie Möbel rege ich manchmal an, die guten Sachen auf einer Online-Plattform zu verkaufen und die weniger guten am Anschlagbrett in der benachbarten Migros oder im Coop auszuschreiben und den Erlös der Caritas zu spenden. Um den Ikea-Schreibtisch aus zweiter Hand wird sich kaum die luxusverwöhnte Familie vom Zürichberg reissen, viel mehr wird er einem neuen Besitzer Freude bereiten, der finanziell knapp da steht. Auch den Erlös der Komplett-Schlafzimmereinrichtung, die auf Ricardo(lino) versteigert wird, nehmen wir gerne als Spende entgegen. Denn eines kann ich allen Anrufenden versichern: Das gespendete Geld kommt genau diesen Familien zu Gute, die sie unterstützen wollten. Familien, die bei uns in der Beratung sind und die dank diesen Spenden genau das bekommen, was sie am meisten brauchen: sei es eine Budgetberatung für den Familienvater, den Halbjahresbeitrag für den Sportverein des Sohnes, einen „Götti“ oder einer „Gotte“, die der Tochter bei den Hausaufgaben hilft oder vielleicht tatsächlich einen Beitrag für einen Kinderschreibtisch. Für einen Schreibtisch, der hoffentlich viele Jahre halten wird.

Der Samichlaus als Christkind
Aber wer weiss, vielleicht schenkt uns das Christkind dieses Jahr eine grosse Loft, in der wir all diese Möbelspenden unterbringen könnten. Der Samichlaus zöge dann nicht einen Esel hinter sich her, sondern sässe am Lenkrad eines Lastwagens. Und verteilte vom Schreibtisch bis zur Schlafzimmereinrichtung allen Familien was sie bräuchten. Träumen ist schliesslich erlaubt, ganz besonders an Weihnachten.

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