Was ist meine Rolle?

Peter hat Mühe mit der Rollenfindung: Was ist seine Aufgabe mit Seid? Wo ordnet er sich ein zwischen Schule, Hort, Training, Familie und Freizeit? Wie stark darf oder soll er sich einbringen?

Die letzten Wochen waren ziemlich intensiv. Wir haben kleinere Krisen gemeistert – dabei lernt man zum Glück immer viel dazu. Seid muss vor den Sommerferien noch einen grossen Vortrag über Betrand Piccard vorbereiten, deshalb erzähle ich heute, wie es mir erging.

Kollege, Götti oder Lehrer?
Als Seid und ich uns kennen gelernt hatten, versuchte ich zuerst, eine Art «guter Kollege» zu sein. Ich bin ja noch nicht soo alt. Fussball spielen, in die Badi gehen, gamen, rumalbern – das mach ich alles sehr gerne. Schnell musste ich jedoch merken, dass ich nicht «nur» Kollege sein kann und will. Ich kam in Kontakt mit Seids Hort, seiner Schule, seinem Fussballteam und natürlich seiner Familie. Mittlerweile kenne ich seine Lehrer, Trainer, Kollegen, Angehörigen. Das ist einerseits sehr schön, denn ich will wissen, wie es Seid in der Schule geht und was er sonst so treibt. Aber andererseits birgt es auch Risiken: Die Rollen vermischen sich immer mehr. Bin ich nun ein Kollege? Ein Götti? Ein grosser Bruder? Ein Nachhilfelehrer?

Ein schmaler Grat
Mir geht es unter anderem darum, Seid eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Er ist äusserst charmant und sehr clever. Ich sehe grosses Potenzial in ihm, welches er aber nicht voll ausschöpfen kann. Deshalb will ich versuchen, ihn auch schulisch etwas zu motivieren und zu unterstützen, was gar nicht so einfach ist: Der Grat zwischen einem Kollegen, mit dem man gerne die Freizeit verbringt, und einem doofen Nachhilfelehrer, der einen zum Hausaufgabenmachen zwingt, ist ziemlich schmal. Ich wollte nicht unser gutes Verhältnis aufs Spiel setzen, indem ich mit ihm Dinge tue, die er nicht mag. Er ist ziemlich stur und lässt sich nichts aufschwatzen. Ich kann ihm meine Hilfe anbieten und für ihn da sein, aber am Ende muss er meine Hilfe auch annehmen. Daran müssen wir uns beide gewöhnen. Es wird langsam: Beim Vortrag über Bertrand Piccard durfte ich ihm auf jeden Fall schon ein wenig helfen.

Mit gutem Beispiel voran
Ich kann mir meine Rolle auch nicht so konkret aussuchen oder ausdenken, sie ergibt sich einfach. Die beste Rolle ist wohl die des guten Vorbildes. So werde ich versuchen, ihm in möglichst guter Manier voran zu gehen und hoffe, dass er mir ein Stück weit folgt und möglichst viel mitnimmt. Das habe ich von seiner Lehrerin gelernt… 😉

Lesen Sie dazu auch den Artikel über Kabarettist Ralf Schlatter im Jahresbericht von Caritas Zürich.

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3 Kommentare

  • Reply Bea Schönbächler 1. Juli 2013 at 11:48

    Als Leiterin unseres Patenschaftsprojekts «mit mir» möchte ich anmerken, dass sich die Patinnen und Paten ein- bis zweimal im Monat mit ihrem Patenkind treffen. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass sie nicht alle Probleme der Patenkinder lösen können. Das müssen sie auch nicht – die gemeinsam verbrachte Zeit gibt den Patenkindern sehr viel. Wir begleiten unsere freiwilligen «mit mir»-Patinnen und -Paten, gerade auch in Momenten, in denen die Abgrenzung schwierig ist, wie Peter in seinem Blogbeitrag eindrücklich beschreibt.

  • Reply Seid & Peter 1. Juli 2013 at 17:58

    Das stimmt natürlich absolut. Habe vergessen, das zu erwähnen. Ich kriege sehr viel Unterstützung von allen Seiten und bin auch allen sehr dankbar dafür.

  • Reply Ursula 19. August 2013 at 8:44

    Ich denke am Wichtigsten ist es, dem Patenkind zu zeigen, dass man es gern hat und für es da ist! Versuche nicht in eine fremde Rolle zu schlüpfen, es gibt für ein Kind nicht Schlimmeres, als wenn der Pate nun auf einmal auch noch den Lehrer/Polizist „spielt“! Vielmehr solltest du immer du selbst bleiben und so handeln, wie es du für dein Patenkind am Besten findest! Wirke als Vorbild indem du dich selbst bleibst! Viel Spass mit deinem Patenkind!

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