Modeschau #young: ein Erlebnis

Die Musik wird immer lauter, der Rhythmus immer schneller, die Spannung steigt, jeden Moment ist es soweit! Scipe, das erste Model, verlässt ihre zwei Quadratmeter im Kellerraum, wo eine Kleiderstange mit den zwei weiteren Outfits für die Show und ein Stuhl stehen. Ihre persönliche Umkleidehilfe wirft einen letzten Blick auf die Fotovorlage, vergleicht mit dem realen Model, zupft das weiss-goldige Jäckchen zurecht und gibt das erlösende OK. Scipe steigt die schmale Kellertreppe hinauf, durchquert das Treppenhaus, dreht eine erste Runde im leeren und von der Sonne aufgeheizten Ladenlokal und tritt auf die Strasse. Das Publikum begrüsst sie mit grossem Beifall. Mit zügigem Schritt läuft Scipe bis ans Ende des Hauses und wieder zurück und posiert vor einem grossen Spiegel. Jetzt können die Zuschauer Scipes Outfit, ein Trainingsanzug der Luxussorte, genauer betrachten. Der Fotograf Erik Orler schiesst ein paar Bilder.

Uff, der Anfang ist gemacht! Jetzt geht es Schlag auf Schlag: vier junge Männer und fünf junge Frauen präsentieren in drei Durchgängen die schrägen und zugleich gekonnt kombinierten Outfits zum Thema #young. Fast alle der Models sind Lernende der Caritas Zürich. Entsprechend gross ist die Nervosität. Doch mit dem ersten Schritt auf den improvisierten Laufsteg verfliegt die Anspannung, die ernsthaften Gesichter weichen einem verschmitzten Lächeln. Dem Publikum gefallen die wilden Outfits. Immer wieder wird der Applaus von lauten Lachern begleitet. Etwa als Henry mit langem Wollcape, Filzhut und vielfarbigen Leggings bekleidet und einer knallroten Swissair-Tasche am Arm auf die Strasse tritt.

Der Auftritt an der Modeschau ist für die Jugendlichen sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Denn neben dem «Laufen» selbst organisierten die Lernenden mit Unterstützung der Berufsbildnerin und der Abteilungsleiterin den ganzen Event selbst: Das Fotoshooting für die Einladung, das Zusammensuchen der Kleider in allen sieben Secondhandläden, die Absprachen mit dem DJ bis hin zum Kuchenbacken fürs Buffet. Eine monatelange Vorbereitung, die sich gelohnt hat!

Die Jugendlichen stiessen auch auf Stolpersteine. «Es war nicht einfach, den richtigen Musikstil zu finden», berichtet David. «Einerseits sollte er die Jungen ansprechen und entsprechend aktuell sein, andererseits musste man dazu ‹Laufen› können – eine Herausforderung». Dem DJ Francesco Parla ist dies mit einem Mix aus Dance, Elektro und Deep House gelungen. Dank den packenden Rhythmen und natürlich den Models selbst, vermehrt sich die zu Beginn eher spärliche Zuschauermenge rasch. Oder das Umziehen im engen Keller, fanden etwa Yaalavan und Henry – verbunden mit der anfänglichen Nervosität – eher stressig.

Vor der grössten Herausforderung standen die Lernenden allerdings, als im letzten Moment ein Model ausfiel! Schnell suchte man nach einer Lösung und fand sie mit der Schwester eines anderen Models, das in einem Restaurant vis-à-vis des Caritas Secondhand-Ladens arbeitete. Die Schwester hatte noch dazu die gleiche Figur und den gleichen Teint wie das ausgefallene Model. Perfekt. Kleiderkombinationen und Make-up mussten nicht mehr angepasst werden. Lediglich die Schuhe wurden rasch ausgetauscht.

Doch von alledem bekommen die Zuschauer nichts mit. Sie wippen im Takt der Musik, lachen und applaudieren, ganz besonders am Ende. Wie bei jeder richtigen Modeschau setzt das Hochzeitskleid den Schlusspunkt: Clarisa betritt die Strassenbühne in einem Traum in Ecru mit viel Tüll, kombiniert mit einem farbig gemusterten und vorne zugeknoteten Lumber und weissen Gummistiefeletten. Der Applaus schwillt nochmals an, als sich die vielen unsichtbaren Helferinnen aus dem Keller und dem Treppenhaus neben den Models aufreihen.

Die Lernenden haben ihr Lehrstück mit Bravour gemeistert! Doch zurücklehnen können sie sich an diesem Abend noch lange nicht, sie wuseln umher, holen im Eiltempo alle gezeigten Outfits aus dem Keller, drapieren die getragenen Schuhe im Schaufenster, kontrollieren das Kuchenbuffet, stehen Red und Antwort und hoffen, dass das Publikum bleibt und das eine oder andere Kleidungsstück, selbstredend alles Einzelstücke, kauft. Denn schliesslich soll die Modeschau möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer zum Kauf animieren und damit die sozialen Projekte der Caritas Zürich unterstützen. Tatsächlich füllt sich der Laden trotz der Schwüle, dann und wann bildet sich sogar eine Schlange vor der Kasse. Aufgabe erfüllt!

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Caritas-Secondhand: Modeschau #young

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