Osterwunder in der Datenbank

Beim Ändern von Personalien in unserer Spenden-Datenbank erlebe ich immer wieder überraschende Momente. Kommt wirklich alles Gute von oben?

Das österliche Phänomen der Wiederauferstehung beschäftigt mich bei der Arbeit öfter als nur im Frühling. Und zwar beim Bewirtschaften der Adressen unserer Spenderinnen und Spender. Ich notiere beispielsweise den neuen Wohnort, wenn jemand umzieht, ändere Namen bei einer Heirat oder streiche Adressen, wenn jemand keine Post mehr wünscht. Und ich lösche Koordinaten von Verstorbenen, wenn uns eine entsprechende Meldung erreicht. Genau hier geschehen Osterwunder: Heute habe ich eine Postkarte erhalten, auf der wir gebeten werden, keine Post mehr an die Mutter der Absenderin zu schicken, denn sie sei bereits vor sechs Jahren verstorben.

Es wird mir wind und weh
Von unserem pietätlosen Verhalten unangenehm berührt, rufe ich sofort den Namen der Verstorbenen in unserer Datenbank auf, um ihn zu löschen – und stelle mit Erstaunen fest: Die besagte Person hat vor zwei Wochen 120 Franken gespendet. Nun ist Caritas Zürich zwar ein katholisches Hilfswerk, ich selbst ebenfalls Katholikin und durchaus bereit, an gewisse Wunder zu glauben. Aber mit dem Wiederauferstehen eines irdischen Geschöpfs tue ich mich schwer, selbst dann, wenn es sein Leben lang grosszügig spendete. Nach einer Rückfrage bei unserer Fundraising-Abteilung, die Profis in Sachen Spendenverhalten, erfahre ich etwas Unglaubliches: 25 Prozent aller „Verstorbenen“ spenden auch nach ihrem angeblichen Tod. Vermutlich tun sie dies nicht von einer Wolke herab, obwohl der Volksmund ja behauptet, alles Gute komme von oben. Es wäre wohl auch nicht die feine Art, sie anzurufen und zu fragen: „Bitte entschuldigen Sie, aber leben Sie wirklich noch?“

Ihre Bitte wird erhört
So bleibt nur die Vermutung, dass es Leute gibt, die von uns keine Post mehr wünschen und diese mit dem Vermerk „verstorben“ zurücksenden – in der Hoffnung, so garantiert nichts mehr von uns zu hören. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und Ihnen mitteilen: Schreiben Sie einfach „Adresse streichen“ auf das retournierte Couvert. Ihre Bitte wird erhört, ich schwörs!
Und ich verspreche Ihnen ebenfalls, hier davon zu berichten, falls ich herausfinden sollte, dass man tatsächlich vom Himmel aus auf ein irdisches Konto spenden kann. Spätestens zu Auffahrt.

ähnliche Artikel

Keine Kommentare

Rückmeldung hinterlassen