Ein anderes Land, eine andere Schule: Copilot hilft

Anderes Land, andere Schule

Meine Erfahrung sagt: Das Leben als das älteste Kind in einer tamilischen Secondo-Familie ist nicht immer einfach. Schon im frühen Kindesalter übernimmst du die Verantwortung für deine Familie. Mit der Einschulung beginnt die Übersetzungstätigkeit und von da an musst du jeden Elternbrief übersetzen, auch denjenigen über die Sexualkunde.

Tamilisch als wichtiges Kommunikationsmittel

Deine Eltern sind nicht der deutschen Sprache mächtig und können dir daher mit den Hausaufgaben nur helfen, wenn du sie ihnen übersetzt. Dafür wirst du von klein auf in deiner Muttersprache besonders gefördert. Aus der Sicht der Kinder ist es beinahe schon eine Qual jeden freien Mittwochnachmittag in der tamilischen Schule absitzen zu müssen. Aber mit dem Alter siehst du natürlich jede Sprachkenntnis als eine Bereicherung.

Aus Prestigegrund ins Gymnasium

Vor etwa 15 Jahren stieg seitens der Eltern tendenziell der Druck in Richtung Gymnasium. Ein Kind galt nur dann als klug, wenn es die Aufnahmeprüfung bestand. Dazumal kannten sie das Schweizer Berufslehresystem noch nicht und wussten daher auch nicht, dass die Aussichten am Arbeitsmarkt für Lehrlinge mindestens so gut wie für Gymnasiasten sind.

Copilot bewirkt ein Umdenken

Heute unterstützen freiwillige Copiloten von Caritas Zürich auch tamilische Eltern beim Schuleintritt ihrer Kinder. Sie erklären ihnen das Schulsystem und wie die Zusammenarbeit mit der Schule funktioniert. Denn der schulische Erfolg der Kinder hängt wesentlich vom Wissen der Eltern ab. Ein erstes Mal erfahren sie so auch vom wertvollen Dualen Bildungssystem in der Schweiz. Tamilische Eltern lernen nebst dem Gymnasium auch die Lehrstelle und die weiteren Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten zu schätzen. Denn die richtige Wahl ist entscheidend für den Lernerfolg.

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Welchen Stellenwert hatte die Bildung in deiner Kindheit?

Mit welchen Schwierigkeiten warst du konfrontiert?

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Mehr zum Thema: Siegwart, Sibylle: «Die Geschichte von Surenthini – einem tamilischen Mädchen aus Bern»

Kalaiyatharsini hat diesen Blogbeitrag verfasst. Sie schildert ihre eigene Kindheit. Zur Zeit engagiert sie sich freiwillig bei youngCaritas und ist Studentin der rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Zürich.

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