Projekt Copilot: Unterstützung beim Schuleintritt

Znüni, was ist das?

Rania ist, als ich sie im Rahmen von Copilot kennenlerne, erst vier Monate in der Schweiz, eine starke Frau mit guter Bildung. Angesichts der vielen Themen, die es anzupacken gilt – Finanzen, Arbeit, Wohnung, Schule, Kinderbetreuung, Gesundheit, die Familie weit weg – ist sie manchmal mutlos und erschöpft. «Es hört nie auf.»

Fragen über Fragen

Als alleinerziehender Mutter eines nun der Schule entwachsenen Sohnes ist mir bei der Einschulung von Rania’s älterer Tochter vieles bekannt. Allein schon die Tages- und Jahresstruktur der Schule wirft Fragen auf: «Bedeuten die dunkelblauen Balken auf dem Jahresplan der Schule wirklich alle Ferien?» (Oh Schreck!) «Was ist Frühstück, was Znüni?» «Sind öffentliche Schulen wirklich gut genug?»

Die kleinen Fremdheiten erschöpfen

Warum ich nicht in den vorderen Wagen eingestiegen sei, fragt sie einmal, als wir mit der S-Bahn zur Caritas Zürich fahren. Dass es 1.- und 2. Klasse-Wagen gibt, war ihr noch nicht aufgefallen. Wer in einen anderen Kulturkreis einwandert, ist im Alltag mit so vielen kleinen Fremdheiten konfrontiert, die in der Summe erschöpfen. «Can you come, I need you», meldet sie jeweils. Neben Schulthemen reichen die Fragen von der Beschriftung eines Briefumschlags über die EWZ-Akontorechnung zur vom Arzt empfohlenen Zimmertemperatur. Und was bitte ist Billag?

Beeindruckende Integrationsleistung

Über das Jahr ist der Stapel Papier von Schulamt, Schule und Hort kleiner geworden. Rania kann mittlerweile besser einschätzen, was Priorität hat. Ich bin beeindruckt, was sie und ihre Familie in einem Jahr geleistet haben. Das ältere der Mädchen, das zu Beginn kaum ein Wort gesprochen hat, plaudert mit mir nun in fliessendem Deutsch und scheint sich in der Schule wohlzufühlen. Rania hat nun eine ihrer Ausbildung entsprechende Arbeit gefunden, ein weiterer wichtiger Schritt.

Abschied einer bereichernden Begegnung

Der Abschied naht. «Ich will dich nicht gehen lassen», sagt Rania. Es gilt nun, die verbindliche, von Caritas Zürich vorbildlich begleitete und betreute Form der Begegnung aufzugeben und eine andere zu finden.
Als Copilotin habe ich gesehen, wie fremd die hiesige Art zu leben sein kann, und ich konnte zu einem bisschen Vertraut-Werden beitragen – immer mit Blick auf die Kinder, die die Zukunft bedeuten.

Copiloten gesucht

Chudi Bürgi hat diesen Blogtext verfasst. Sie engagiert sich freiwillig in unserem Projekt Copilot. Wir benötigen noch mehr solche engagierte Menschen wie sie.

Hättest du Zeit und Lust?

Würdest du Eltern erklären wie das Schweizer Schulsystem funktioniert, sie beim Ausfüllen von Formularen unterstützen, Möglichkeiten zur Förderung der Kinder aufzeigen und nützliche Kontakte vermitteln?

» Ich wäre gerne Copilot/in.

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