Secondhand Lernende organisieren Modeschau 2016.

Ehre für unsere Lernenden!

Fame. Zu deutsch «Ruhm und Ehre» – das wollen David und Anya. Dass dieser Lebenstraum nicht ganz ernst gemeint ist, zeigt ihr fröhliches Kichern. Mit ihren Lebensgeschichten hätten sie Fame aber schon lange verdient.

Anya, David, wie wurdet ihr Lernende in den Secondhand-Läden von Caritas Zürich?

Anya: Ich war alleinerziehende Mutter ohne Erstausbildung und hatte keine Chance, eine Lehre zu finden. Dank dem Programm AMIE wurde ich aber auf die Lehre bei Caritas Zürich aufmerksam. Der Tag, an dem ich die Zusage erhielt, ist bis heute der schönste in meinem Leben.

David: Ich hatte schon das zehnte Schuljahr abgeschlossen und bisher immer nur Absagen erhalten – niemand gab mir eine Chance. Meine Pflegemutter sah dann das Inserat von Caritas Zürich.

Warum hast du nur Absagen erhalten?

David: Niemand wollte mich aufgrund meiner Arme und Hände*. Ich durfte zwar in einigen Unternehmen schnuppern, doch mit einer Lehrstelle klappte es nie. Nach meiner Lehre würden sie mich aber gerne einstellen, hiess es. Das war irgendwie absurd …

Anya: Als ich David zum ersten Mal sah, sind mir als Erstes seine Hände aufgefallen. Da bin ich ehrlich. Sein Charakter hat mich aber positiv überrascht. Er ist ein aufgestellter Mensch. Und er hat keine Probleme bei der Arbeit.

Beide kichern… David sagt: «Ihr Sohn war der Beste.»

Wollt ihr mir die Geschichte erzählen?

Anya: Als mein Sohn David zum ersten Mal sah, fragte er ihn: «Was ist mit deinen Händen? Die sehen aus wie Füsse.» (beide lachen)

David: Die meisten Kinder sind offener als Erwachsene. Sie fragen nach, das ist mir lieber. Ansonsten werden einfach meine Hände angestarrt.

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Womit hattest du zu kämpfen, Anya?

Anya: Mein erstes Lehrjahr war sehr anstrengend, weil mein Sohn oft krank war. Ich war ständig mit Planen beschäftigt. Ich brauchte spezielle Betreuungsmöglichkeiten, weil im Detailhandel die Arbeitszeiten länger dauern als die Krippe geöffnet hat. Abends musste ich zudem für die Schule lernen. Der Stress nahm kein Ende. Schlussendlich war der Secondhand-Laden aber stets ein Zufluchtsort. Auch während meinen Ferien kam ich immer mal wieder vorbei.

David: Ich finde es toll, hat sie ihre Lehre durchgezogen. Ich bin sehr stolz auf sie.

Was gefällt euch an eurem Job?

Anya: Die Atmosphäre im Team ist toll. Alle sind mir ans Herz gewachsen und haben mich während meiner Abschlussprüfungen sehr unterstützt. Zudem lernt man jeden Tag neue Menschen kennen, auch ihre Lebensgeschichten. Das ist speziell an unseren Läden.

David: Mir gefällt’s, weil wir jeden Tag verschiedene Ware erhalten. Jeder Spendensack ist eine Überraschung. Und als Lernender darf ich schon fast alles machen. Vor allem Kundenberatung macht mir Spass.

Nun organisiert ihr eine Modeschau. Wie läuft’s?

David: Es ist lässig, aber auch anstrengend – man muss an Vieles denken. Ich bin zum Beispiel für die Musik zuständig. Da braucht es passende Musik für den Laufsteg, aber auch vorher und nachher.

Anya: Ich und Organisation waren nicht die besten Freunde. Aber dank der Modeschau bin ich jetzt viel besser darin. Wir haben kaum Budget, was die Aufgabe noch viel schwieriger macht. Aber wir freuen uns darauf zu zeigen, dass es in unseren Secondhand-Läden auch Kleidung für junge Menschen gibt. Ihr werdet alle überrascht sein!

* Anmerkung: David’s Arme sind seit seiner Geburt zu kurz. Diese Deformität nennt man Dysmelie.

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