Sozialer Sprengstoff

Während die Bevölkerung immer lauter nach günstigem Wohnraum ruft, verfolgen viele Gemeinden eine gegenteilige Strategie: Sparen auf Kosten der Armen.

Bezahlbarer Wohnraum ist rar. Vor allem Menschen mit kleinem Budget sehen sich deshalb bei Totalrennovationen gezwungen, ihre Nachbarschaften zu verlassen und an jene Orte zu ziehen, die noch verhältnismässig günstigen Wohnraum anbieten. Dies zum Missmut der betroffenen Gemeinden.

Hauptsache sparen
In einer Zeit, in der Sparen – am liebsten bei den Sozialkosten – das oberste Gebot ist, rückt der eigentliche Gedanken des Sozialstaates immer mehr in den Hintergrund. Anstatt stolz darauf zu sein, dass wir in der Schweiz auf ein gutes soziales Netz zählen können, welches alle Mitglieder unserer Gesellschaft aufzufangen versucht, reissen wir mit Gewalt immer neue Löcher hinein.

Sparen – ohne Rücksicht auf Verluste: Das ist das Motto vieler Gemeinden. Die Sozialkosten sollen möglichst tief sein, weshalb alles dafür getan wird, dass günstiger Wohnraum in der Gemeinde verschwindet. Bezahlbare Wohnungen könnten ja Leute anziehen, die das Budget belasten. Dass die Folgen dieser Strategie für die Gemeinden, aber auch für die ganze Schweiz verheerend sind, liegt auf der Hand. Doch das wird gerne ausgeblendet: Sozialhilfebeziehende lösen sich nicht in Luft auf, nur weil es keinen günstigen Wohnraum gibt. Die Gemeinden sind über kurz oder lang gezwungen, im Rahmen der Sozialhilfe mehr für die Miete zu bezahlen. Die Kosten werden so längerfristig steigen, nicht sinken.

Sündenböcke suchen
Diese Politik birgt einiges an sozialem Sprengstoff. Den Kampf um günstige Wohnungen tragen nicht die Wohlhabenden aus, sondern jene, die heute bereits zu den finanziell Schwächsten unserer Gesellschaft gehören: Asylsuchende, Armutsbetroffene und Studierende stehen in direkter Konkurrenz um günstige Wohnungen. Anstatt konsequent günstigen Wohnraum zu fördern, nutzt man die Existenzängste der Betroffenen aus und beschuldigt Migrantinnen und Migranten, das Problem zu verursachen. Gleichzeitig wird mehr oder weniger transparent dafür gesorgt, dass der sonst schon rare günstige Wohnraum immer weniger wird. Die Lösung dieses Problems ist nicht die Identifizierung immer neuer Sündenböcke, sondern angemessene und bezahlbare Wohnungen für alle!

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