Superkombi für günstige Wohnungen?

Eine bezahlbare, angemessene Wohnung zu finden, bleibt für armutsbetroffene Menschen meist ein Traum. Wie sich dieser Traum verwirklichen lassen könnte, haben wir an unserem 8. Armutsforum diskutiert. Mein Fazit.

Es war uns ein Anliegen, das Thema «günstiger Wohnraum» aus allen Winkeln zu beleuchten, weshalb wir drei Fachleute mit sehr unterschiedlichen Perspektiven ans Armutsforum eingeladen haben. Joëlle Zimmerli vertritt eine sozialwissenschaftliche, planerische Perspektive, Patrik Schellenbauer die wirtschaftliche und Thomas Gröbly die ethisch, genossenschaftliche Sicht. Dies führte dazu, dass sehr unterschiedliche Antworten auf unsere Frage vorgestellt wurden:

«Sie haben 300 Millionen Franken, um bezahlbaren und angemessenen Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen im Kanton Zürich zu schaffen. Wie würden Sie das Geld einsetzen?»

Genossenschaften oder kantonales Wohngeld?
Herr Gröbly zeichnete ein farbiges Bild von multifunktionalen Nachbarschaften, wie sie der Verein Neustart Schweiz fordert. Ein Zusammenleben zur Kostenmiete, wo Armutsbetroffene von einem Solidaritätsbeitrag der Besserverdienenden profitieren. Diesen genossenschaftlichen Ansatz kritisierte Patrik Schellenbauer: Als Vertreter von Avenir Suisse findet er, dass zu viel staatliches Geld in die Förderung von Genossenschaften fliesst. Denn das Geld komme nur sehr beschränkt den Menschen zugute, die wirklich darauf angewiesen wären. Deshalb schlägt er ein kantonales Wohngeld vor – eine direkte finanzielle Unterstützung von armen Familien und Einzelpersonen.

Verdichtetes Bauen?
Die Vision der Raumplanerin Joëlle Zimmerli widmete sich der Frage, wie private Investoren vermehrt günstigen Wohnraum schaffen könnten und wie dieser für Armutsbetroffene zugänglich wird: «Die Bedürfnisse von Menschen mit wenig Geld gehen systematisch vergessen, wenn neue Wohnungen gebaut werden», sagte sie. Darum sei es an der Zeit, die alten Gesetze zu revidieren, um höher, kleinräumiger und dichter bauen zu können.

Die vielversprechende Kombination
Mein persönliches Fazit ist, dass keine der drei Visionen für sich alleine die Wohnproblematik Armutsbetroffener zu lösen vermag. Doch die Kombination ist vielversprechend: Wohngeld für armutsgefährdete Familien, Anreize für institutionelle Vermieter, günstigen Wohnraum zu bauen, ein transparenter Wohnungsmarkt und die Förderung genossenschaftlicher Wohnformen. Diese Kombination hat das Potential, die Wohnsituation Armutsbetroffener im Kanton Zürich nachhaltig zu verbessern.

Bis der Traum von bezahlbarem und angemessenem Wohnraum auch für Armutsbetroffene im Kanton Zürich verwirklicht werden kann, ist es aber noch ein langer Weg. Wir bleiben dran.

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4 Kommentare

  • Reply Tina Mercier 12. Dezember 2014 at 23:01

    Ein Problem bei der Bewältigung der Wohnungsmiete für Armutsbetroffene ist auch, dass zB. die Sozialhilfe eben nicht wie oft fälschlicherweise darüber unrichtig informiert wird (auch hier bei Caritas) den effektiven Mietzins vergütet, sondern dass dieser von einem sehr niedrigen Plafond begrenzt wird.
    Eine Einzelperson bekommt höchstens 1100.-! Oft nicht einmal das, auch wenn die Miete höher ist.
    Wer sich heutzutage etwas umsieht, in welchem Bereich sich Mietpreise bewegen, der weiss wie unmöglich es oft ist, sich in diesem Bereich etwas zu finden, resp. auch zu bekommen. Weil wenn sowas Seltenes mal auf den Markt kommt, dann findet man sich meist locker in Konkurrenz mit 500 anderen Interessenten.
    Das bewirkt, dass vom Grundbedarf nicht nur Strom, Billag, Tel/Internet, Verkehrsabo, Versicherung, Nahrung, Pflege und Bekleidung berappt werden muss, sondern auch oft noch den ungedeckten Teil der Wohnungsmiete. Von Kultur, oder mal ein Kaffee auswärts ganz zu schweigen.
    Man rechne

    Es wird immer wieder vorgebracht, dass bei einer Unterstützung von wirklich effektiven Mietpreisen, damit nur Hauseigentümer verleitet würden ihre Preise nach oben anzupassen, Aber solches tun die ja eh! Weil es immer genug gibt, welche bei dem zu knappen Angebot, die geforderten Preise bezahlen können. Die Leidtragenden sind aber all Jene, welche dazu eben nicht imstande sind. Wenn da die Stütze in der Ausgleichsberechnung weltfremd zurückbleibt, dann büssen das die Unterstützungsbedürftigen, weil es eben trotz Stütze nicht wirklich reicht.

    • Reply Cordula Bieri, Caritas Zürich 16. Dezember 2014 at 15:46

      Liebe Frau Mercier, Ich teile ihre Meinung voll und ganz. Die Caritas Zürich ist sich dieser Problematik bewusst und setzt sich dafür ein, dass die Mietzinsrichtlinien in der Sozialhilfe dem Wohnungsmarkt angepasst werden. Aber wie Sie auch richtig schreiben, gibt es da einige Widerstände seitens Politik. Hoffen wir, dass hier bald gehandelt wird.

  • Reply Tina Mercier 12. Dezember 2014 at 23:01

    Ein Problem bei der Bewältigung der Wohnungsmiete für Armutsbetroffene ist auch, dass zB. die Sozialhilfe eben nicht wie oft fälschlicherweise darüber unrichtig informiert wird (auch hier bei Caritas) den effektiven Mietzins vergütet, sondern dass dieser von einem sehr niedrigen Plafond begrenzt wird.
    Eine Einzelperson bekommt höchstens 1100.-! Oft nicht einmal das, auch wenn die Miete höher ist.
    Wer sich heutzutage etwas umsieht, in welchem Bereich sich Mietpreise bewegen, der weiss wie unmöglich es oft ist, sich in diesem Bereich etwas zu finden, resp. auch zu bekommen. Weil wenn sowas Seltenes mal auf den Markt kommt, dann findet man sich meist locker in Konkurrenz mit 500 anderen Interessenten.
    Das bewirkt, dass vom Grundbedarf nicht nur Strom, Billag, Tel/Internet, Verkehrsabo, Versicherung, Nahrung, Pflege und Bekleidung berappt werden muss, sondern auch oft noch den ungedeckten Teil der Wohnungsmiete. Von Kultur, oder mal ein Kaffee auswärts ganz zu schweigen.
    Man rechne

    Es wird immer wieder vorgebracht, dass bei einer Unterstützung von wirklich effektiven Mietpreisen, damit nur Hauseigentümer verleitet würden ihre Preise nach oben anzupassen, Aber solches tun die ja eh! Weil es immer genug gibt, welche bei dem zu knappen Angebot, die geforderten Preise bezahlen können. Die Leidtragenden sind aber all Jene, welche dazu eben nicht imstande sind. Wenn da die Stütze in der Ausgleichsberechnung weltfremd zurückbleibt, dann büssen das die Unterstützungsbedürftigen, weil es eben trotz Stütze nicht wirklich reicht.

    • Reply Cordula Bieri, Caritas Zürich 16. Dezember 2014 at 15:46

      Liebe Frau Mercier, Ich teile ihre Meinung voll und ganz. Die Caritas Zürich ist sich dieser Problematik bewusst und setzt sich dafür ein, dass die Mietzinsrichtlinien in der Sozialhilfe dem Wohnungsmarkt angepasst werden. Aber wie Sie auch richtig schreiben, gibt es da einige Widerstände seitens Politik. Hoffen wir, dass hier bald gehandelt wird.

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