Unsozialer Wohnungsbau: Fehlplanung braucht Umdenken

Unsozialer Wohnungbau

Auf einer Wanderung sehe ich in einem blonden Stoppelfeld in den Bündner Bergen eine zerfallende Scheune. Die Balken und Schiefersteine fügen sich perfekt in die Farben der Landschaft ein. Bald wird nichts mehr davon übrig sein.

Wir leisten uns Fehlplanung

Das Bild erinnert mich an meine Wohngemeinde. Nein, die Gemeinde ist noch nicht zerfallen und ist alles andere als der Natur angepasst. Aber an der Hauptstrasse hängt seit über einem Jahr ein Transparent an einem Haus: «Neu renovierte Wohnung zu vermieten, gehobener Standard.»

Weshalb steht diese Wohnung ein Jahr leer? Weil wir uns alles leisten können in diesem Land, auch Fehlplanung?

Gebaut wird nur für Topverdiener

Der Markt, nicht nur der Wohnungsmarkt, kämpft um die Topverdiener und interessiert sich nicht für den Durchschnitt. Doch was bedeutet «gehobener Standard»? Besagte Wohnung ist verkehrstechnisch interessant gelegen, aber nicht ruhig oder idyllisch. Sie verfügt weder über Balkon noch Keller oder Garagenplatz. 64 Quadratmeter teure Materialien sind nun mal nicht attraktiv genug, um diesen Mietpreis zu rechtfertigen!

Ein fremdes Bild wird Realität

Vor fünfzig Jahren, während meinen ersten Ferien in Italien, sah ich als Kind in einer Einkaufsstrasse zwei leerstehende Läden. Ich fragte meine Eltern, «wieso da nichts sei».

«Die Läden sind nicht vermietet. »

«Was heisst das?»

«Vielleicht sind sie teuer. Dann muss man viel verkaufen, nur um die Miete zu zahlen.»

«Aber wieso baut man denn ein Haus, wenn niemand es will?»

«Ja, das ist schwer zu sagen. Vielleicht will ja jemand, hat aber nicht genug Geld. »

Zuhause gab es nie leere Gebäude. Das Bild war mir fremd.

Umdenken für die Allgemeinheit

Das Transparent hängt noch immer an diesem Haus. Weiter oben im Dorf stehen zwei Restaurants leer, im Shopping-Center herrscht jeweils bei der Übergabe zwischen zwei Mietern monatelang gähnende Leere.

Ich weiss nicht, ob sozialer Wohnungsbau die Lösung ist. Wer bekommt wie und weshalb Zugang zu subventioniertem Wohnungsbau?

Für mich relevant ist die Tatsache, dass die Kader der Immobilien-Firmen so viel verdienen, dass sie nicht mehr fähig sind sich in die Situation der Kundschaft hinein zu versetzen. Unsere Gesellschaft kann sich jedoch nicht leisten, was diese Menschen erstrebenswert finden! Sie müssen umdenken.

Wann bauen wir wieder unseren Möglichkeiten entsprechend? Politik und Wirtschaft sind gleichermassen gefordert!

 

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