Geben und Nehmen: Mitbringsel müssen nicht teuer sein.

Vom Geben und Nehmen

Heute Morgen stand ich eher spät auf. Meine Arbeit beginnt manchmal erst am Nachmittag oder Abend. Kaum hatte ich den Kaffee aufgesetzt, klingelte das Telefon und meine Nachbarin fragte mich, ob ich ein Kaninchen wolle. Das tut sie so circa ein Mal im Jahr. Ihr Mann ist der Kaninchen-König der Region und ich kaufe am liebsten Fleisch, dessen Herkunft ich kenne.

Trotzdem ist es jedes Mal eine Überraschung. Wir sehen uns ja nicht mal sehr oft, gelegentlich von Balkon zu Balkon beim Kräutergiessen, und vielleicht mal bei einer Quartiergrillade.

Zu dieser Kontaktpflege habe ich nichts beigetragen, oder nicht viel. Der König und ich ergänzen uns fürstlich im Humorwettstreit, bei den genannten Grillfesten. Mehr beigetragen zur Beziehung hat meine Frau. Sie stand den Beiden mental bei, nachdem deren Tochter aus dem Leben schied.

Nach dem Telefonat lese ich ein SMS von unseren Gästen vom Abend davor. Sie bedanken sich nochmals und loben das Essen. Das freut mich, denn uns liegt viel an diesen Beiden. Es war ein unterhaltsamer aber entspannter Abend.

Dazu habe ich mehr beigetragen. Ich habe selber Kürbisteigwaren gemacht, den Kürbis trocken gewärmt, püriert, mit Mehl und Eiern geknetet und gewalkt, stundenlang. Dazu servierte ich mehrere Köstlichkeiten, die ich mir nicht oft leiste. Schlussendlich war mein Beitrag aber nicht Geld, sondern Zeit und Sorgfalt.

Der Besuch war es auch Wert! Sie sind so liebe und offene Menschen. Und sie präsentierten kein abgedroschenes Mitbringsel, sondern selbst gefundene, selbst getrocknete Steinpilze. Für den nächsten Besuch werde ich Kaninchen mit Steinpilz-Risotto zubereiten. Ich freue mich schon jetzt darauf. Nicht nur auf das Essen – vor allem auf die Freude der Gäste. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt – auch beim Geben, nicht nur beim Nehmen.

***

Ich möchte den Blog-Newsletter abonnieren.

ähnliche Artikel

Keine Kommentare

Rückmeldung hinterlassen