Von Fettnäpfchen in Kirchengängen

Einen katholischen Gottesdienst mit all seinen Ritualen zu leiten, ist wahrlich nichts für Anfänger. So macht es mich stolz, durfte ich schon mehrmals einen Teil zu Gottesdiensten beitragen: Im Rahmen der Caritas-Woche waren Caritas-Mitarbeitende dieses Jahr bei rund zwanzig Gottesdiensten dabei.

Rituale finde ich etwas Schönes und Kraftvolles. Übrigens: Hat der zunehmende Einsatz von «Ritalin» in unserer Gesellschaft vielleicht etwas mit dem abnehmenden Einsatz von Ritualen zu tun? Hm… Auf jeden Fall habe ich Hochachtung für die Meister/innen, die solche Rituale leiten… vor allem wenn sie so ausgetüftelt sind wie die katholische Messe.

Was, wenn die Leute sich nicht mehr hinsetzen?
Nun ist es so, dass wir Mitarbeitenden von Caritas Zürich einmal im Jahr die Gelegenheit erhalten, in Gottesdiensten in katholischen Pfarreien unsere Arbeit vorzustellen. Als ich das erste Mal dazu angefragt wurde, sah ich vor meinem inneren Auge, wie sich zahlreiche Fettnäpfchen in den Kirchengang schoben. Aber als Leiter der Kommunikation kann man einfach nicht Nein sagen, wenn einem so eine Möglichkeit angeboten wird – auch wenn man die Feinheiten der Gottesdienstabläufe nicht gerade so aus dem Ärmel schütteln kann, um es einmal diplomatisch auszudrücken. Oder etwas konkreter: Was ist beispielsweise zu tun, wenn sich die Kirchenbesucher/innen nicht mehr hinsetzen, nachdem man aus dem Evangelium zitiert hat?

«Wo wänd dänn ihr ane?»
Glücklicherweise haben wir bei Caritas Zürich Kolleginnen und Kollegen, die sich in solchen Gefilden bestens auskennen und den Weg um die Näpfchen weisen können. Und bei meinen Besuchen in verschiedenen Pfarreien durfte ich erleben, dass einem durchaus freundlich und auch einmal augenzwinkernd geholfen wird, wenn die Zehe dann doch im Fettnapf landet. Irren ist menschlich, das zeigten mir bei Gelegenheit auch die Ministrantinnen und Ministranten, die sich nicht immer gemäss Ablauf in Bewegung setzten, weder was den Zeitpunkt noch die Richtung betraf. Hier half der Pfarrer dann mit einem freundlichen, aber bestimmten «Wo wänd dänn ihr ane?», gefolgt von einer kurzen Anweisung.

Die erlösenden Worte
Dieses und letztes Jahr durfte ich in der Pfarrei St. Konrad in Zürich-Albisrieden bei Pfarrer Hannes Rathgeb mitwirken – ein sehr erfreuliches Erlebnis. Nach dem Vorgespräch liess er mich einen grossen Teil der Predigt vortragen. Im einen Teil war ich sehr sicher unterwegs: dort, wo ich mit konkreten Beispielen schildern konnte, mit welchen Nöten Menschen zu uns kommen und wie wir ihnen helfen. Bei anderen Teilen war ich weniger sicher… wie bei der oben erwähnten Szene nach dem Evangelium. Auf einen hilflosen Blick meinerseits gab Pfarrer Rathgeb ein Zeichen, und die Menge setzte sich. Nach dem Gottesdienst erklärte er mir, mit welchen Zauberworten ich die Erlaubnis für das Absitzen beim nächsten Mal selber erteilen kann. Und siehe da: Es funktionierte! Jetzt freue ich mich auf das nächste Jahr – und danke all den Kirchgemeinden, die uns die Gelegenheit geben, von unserer Arbeit zu erzählen.

ähnliche Artikel

Keine Kommentare

Rückmeldung hinterlassen