Mangelware Lehrlinge?

Obwohl jedes Jahr viele Jugendliche ohne Lehrstelle ausgehen, rekrutieren einige Schweizer Unternehmen bereits im Ausland, um offene Lehrstellen zu besetzen. Eine absurde Situation.

Seit Mitte Mai arbeite ich einige Stunden pro Woche beim Caritas-Projekt «incluso» mit. Das ist ein Mentoring-Programm, welches Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einer Lehrstelle unterstützt. Diese haben oft Mühe, eine Lehrstelle zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum Teil fehlt die Unterstützung der Eltern, die das Berufsbildungs-System in der Schweiz nicht gut kennen. Dann kommt es immer wieder vor, dass Jugendliche wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Und schlussendlich können auch mangelhafte Deutschkenntnisse die Lehrstellensuche erschweren. Die Jugendlichen schicken unzählige Bewerbungen und erhalten meist ebenso viele Absagen. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen sie selten, und auch wenn ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass sie einen Lehrvertrag erhalten.

Je nach Branche
Trotzdem titelte das SRF vor kurzem: «Lehrlinge sind in der Schweiz Mangelware» und berichtete, dass Lehrbetriebe bereits im Ausland nach passenden Leuten suchen. Die aktuellen Zahlen über den Lehrstellenmarkt in der Schweiz zeigen, dass es wirklich Branchen gibt, die mehr Lehrstellen als Bewerbende verzeichnen – vor allem bei den technischen Berufen, in der Gastronomie oder auf dem Bau. In anderen Branchen, wie im Verkauf oder im Gesundheitswesen, ist die Situation aber gerade umgekehrt. Dort hat es viel weniger Lehrstellen als interessierte Jugendliche. Natürlich wird von den Jugendlichen eine gewisse Flexibilität bezüglich Berufswunsch gefordert. Doch es kommt nun Mal nicht jede Person für jede Lehrstelle in Frage.

Eine Frage der Bewilligung
Ab und zu kommt es vor, dass den Jugendlichen auch von staatlicher Seite Steine in den Weg gelegt werden. Diejenigen, welche nur über einen F- oder N-Ausweis verfügen, benötigen eine Arbeitsbewilligung, damit sie eine Lehrstelle antreten dürfen – und diese wird nicht immer erteilt, weil sie nur vorübergehend hier sind. Trotz zahlreicher Hindernisse schaffen es Jugendliche immer wieder, auch unter schwierigen Bedingungen eine Lehrstelle zu finden. Dies nicht zuletzt dank den vielen Mentorinnen und Mentoren, die sich bei incluso engagieren.

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