Frau in einem Blumenfeld

Planen Sie Ihr Leben, nicht nur Ihren Nachlass: Je früher, desto besser

Bei der Nachlassplanung geht es zuerst um die verbleibenden Lebensjahre. Dr. Balz Hösly, Fachanwalt für Erbrecht, erklärt, was es dabei zu beachten gilt. Sein Fazit: Weil Schenken glücklich macht, sollte man noch zu Lebzeiten damit anfangen.

Wieso sollte ich meinen Nachlass planen? Eigentlich ist ja alles gesetzlich geregelt.

«Wenn Sie nichts vorkehren, geht das ganze Vermögen nach dem Tod an Ihre gesetzlichen Erben. Doch das Gesetz gibt Ihnen einen Spielraum, den Sie nutzen können, wenn Sie zum Beispiel eine spezielle Familienkonstellation haben, besondere Menschen oder eine Organisation berücksichtigen möchten. Dann macht es Sinn, Ihren Nachlass selber und aktiv zu planen. Natürlich ist es viel befriedigender, wenn Sie sich die entsprechenden Fragen dazu stellen, solange Sie gesund sind und einen guten Teil des Lebens vor sich haben. Denn so können Sie Erbvorbezüge oder Schenkungen bereits zu Lebzeiten machen. Und sehen dann selbst, was mit Ihrem Geld geschieht.»

Wie gehe ich die eigene Nachlassplanung am besten an?

«Zunächst einmal geht es dabei um die Planung Ihrer verbleibenden Lebensjahre. Sie müssen herausfinden, was Sie im Leben noch tun oder erleben möchten und was Sie dafür brauchen. Danach gilt es, aufzuräumen: Ihre Einkommensquellen und Vermögenswerte werden analysiert und wenn nötig neu strukturiert. Viele sagen später: ‹Gott sei Dank habe ich das gemacht, jetzt hab ich endlich Ordnung in meinem Leben.› Das ist ein wichtiger persönlicher Prozess, der Klarheit darüber bringt, was Ihnen wirklich wichtig ist, und was vielleicht weniger.»

Wann macht es Sinn, sich dafür von einer Fachperson beraten zu lassen?

«Ich überlasse es immer meinen Klientinnen und Klienten, wofür sie meine Unterstützung möchten. Ich stelle ihnen zwar die zentralen Fragen und stecke mit ihnen die wichtigen Handlungsfelder ab. Ob sie diese aber alleine oder zusammen mit mir klären wollen, überlasse ich ihnen. Eine Nachlassplanung braucht oft auch Unterbrüche und genügend Zeit. Schliesslich müssen sich meine Klientinnen und Klienten primär darüber Gedanken machen, was sie im Leben noch anpacken und nicht nur, was sie weitergeben wollen. Sie sollten sich dabei unter keinen Umständen Druck machen lassen. Am Schluss der Planung ist es sicher sinnvoll, eine Fachperson zur rechtlichen Umsetzung beizuziehen.»

Warum berücksichtigen viele Leute eine gemeinnützige Institution?

«Meine Erfahrung ist, dass viele ihr eigenes materielles Glück mit anderen Menschen teilen oder einer gemeinnützigen Organisation zukommen lassen wollen. Die Glücksforschung beweist ja, dass die persönliche Befriedigung viel grösser ist, wenn Sie Ihr Vermögen teilen, statt alles für sich selbst zu horten.»

» Auch Caritas Zürich können Sie in Ihrem Testament berücksichtigen. Alle Informationen dazu finden Sie unseren Leitfaden.

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Portrait von Dr. Balz Hösly

Dr. iur. Balz Hösly ist Fachanwalt SAV Erbrecht sowie Mediator SAV und Partner im Anwaltsunternehmen MME in Zürich und Zug.

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