Streit um die Feiertage: Soll Ostern abgeschafft werden?

Eine Schweiz ohne Ostern?

Vegetariertag statt Osterlammessen oder Car-Freitag statt Karfreitag: Verschiedene Gruppierungen (z.B. Freidenker, Juso) fordern die Abschaffung der christlichen Feiertage wie Weihnachten oder Ostern. Diese sollen zu frei wählbaren Feier- bzw. Festtage werden. Ob das demokratisch ist, sei dahingestellt. Immerhin sind zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung über 15 Jahre Mitglied der beiden Landeskirchen oder anderer christlicher Gemeinschaften.

Was ist Ihre Meinung dazu? Lassen Sie es uns in einem Kommentar wissen.

Wir kommen aus der Vergangenheit

Ich gehe eins mit Wilhelm von Humboldt (1767-1835), der gesagt hat: «Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.» Oder noch etwas zugespitzter: «Ohne Herkunft keine Zukunft». Es mag altweise tönen, stimmt aber trotzdem: Wir sind heute das, woraus wir gestern entstanden sind, und dies prägt uns in der Zukunft. Auch nicht religiöse Menschen profitieren davon. Ohne die damaligen Entwicklungen in den Kirchen gäbe es keine Schulen, keine Spitäler, keine Entwicklungshilfe, und auch die Musik, unsere Kultur und viele Kunstschätze wären ohne Kirchen um einiges ärmer. Sogar die Entwicklung der Naturwissenschaften und der Aufklärung wäre ohne christliche Leitkultur nicht denkbar – damals nicht immer zur Freude der Kirche, zugegebenermassen. Der jesuanische Zweisatz «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was ihm gehört» (Matthäus 22, 15–22) hat schlussendlich zur grundsätzlich entspannten Situation zwischen Kirchen und Staat geführt.

Ohne Karfreitag ist der Tod gesellschaftlich tabu

Verlassen wir die theologischen und philosophischen Gefilde. Wenn wir den Karfreitag oder die Totengedenken im November aus dem Kalender streichen, dann wird der Tod in der Öffentlichkeit noch stärker tabuisiert und verdrängt als jetzt schon. Wenn wir anstelle des Weihnachtsessens den Vegantag einführen, dann erheben wir definitiv die Ernährung zur neuen Religion. Wenn wir Ostern in die privaten Gemächer verdrängen, verpassen wir einen wichtigen Anstoss, um über Leid, Tod und über Leben nachzudenken.

Solidarität aus der christlichen Leitkultur

Ein Leitwert der Schweiz ist die Solidarität – auch dieser Wert stammt letztlich aus dem christlichen Gedankengut und ist gleichermassen gültig für die Caritas. Daraus leiten wir unsere Vision ab, nämlich die Bekämpfung von Armut und den Kampf für Chancengerechtigkeit. Wenn wir diese Wurzeln kappen, dann hängt auch die Caritas in der Luft.

Ich wünsche Ihnen von Herzen «Frohe Ostern». Vorläufig dürfen wir uns noch über freie Tage freuen, an denen wir aufgefordert sind, über Tod und Leben zu sinnieren. Und uns der Osterhasen zu erfreuen. Zumindest diese werden die neuen Ideen sicher überleben.

Ihre Meinung interessiert uns

  • Wünschen Sie frei wählbare Festtage? Oder ist Ihnen eine Verbindung mit der christlichen Geschichte wichtig?
  • Wenn Sie wählen könnten: Welche Feiertage würden Sie einführen, welche abschaffen?

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1 Kommentar

  • Jürg Hugentobler
    Reply Jürg Hugentobler 25. April 2018 at 9:54

    Lieber Max
    Ich habe gerade deinen Blog ge-liked. Auch wenn ich nicht im herkömmlichen Sinn religiös bin, sprichst du mir hier aus dem Herzen. Dein Matthäus Zitat ist wirklich Ursprung von Kirche und Staat. Ich hätte nicht die Bibelstelle nennen können, schätze das Zitat aber seit jeher. Unsere Feiertage sind zwar grösstenteils den Jüdischen oder Keltischen „angelehnt“ (terminlich wie inhaltlich). Aber auch das ist eben gewachsene Tradition und die Werte unserer Gebote sind nun mal die Grundlage für menschliches Zusammenleben. Und an dieser Grundlage wollen wir doch sicher nichts ändern.

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