Arbeitslosenkasse Zürich - Ein Amt für wen?

Taufe für das Arbeitsamt

Auch die Fasnacht war nicht nur lustig. Ich bin zwei Bekannten begegnet, die neu stellenlos sind. Was solls? Maske auf und durch!

Die Statistik ignoriert Erwerbslose

Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat kürzlich wieder einmal die Bevölkerung beruhigt: Die Arbeitslosenquote in der Schweiz geht zurück. Doch das ist nur eine mögliche Sichtweise. Die des SECO. Wie der Name schon sagt, ist es das Sekretariat der Wirtschaft und nicht das der Erwerbslosen. Und damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Wo sind die nicht mehr arbeitslosen Menschen hingegangen? In einen Teilzeitjob auf Abruf, bei dem sie einen Bruchteil ihres vorherigen Gehalts erwirtschaften, in ein unbezahltes Beschäftigungsprogramm, oder gar in die Sozialhilfe?

Der Unterschied zwischen arbeitslos und erwerbslos

Es gibt einen grossen Unterschied zwischen arbeitslos und erwerbslos, wie Statistiken zeigen. Nach internationalen Massstäben werden als erwerbslos nicht nur Menschen gezählt, die Arbeitslosengeld erhalten, sondern alle, die keine Erwerbstätigkeit finden. Im Jahr 2017 waren in der Schweiz im Januar 3,7 Prozent und im Dezember 3,3 Prozent arbeitslos. Erwerbslos galten im Januar 5,3 Prozent und im September 5,1 Prozent. Vom letzten Quartal liegen bisher keine Zahlen vor. Das SECO ignoriert somit einen Drittel der tatsächlich Betroffenen.

Altersklassen und Geschlechter

Frauen seien weniger von Arbeitslosigkeit betroffen, sagt die Statistik. Doch vergisst sie die Tankstellenverkäuferinnen auf Abruf, von deren Lohn man schlicht nicht leben kann. Sie werden nicht mitgezählt. Sie haben ja irgendwie Arbeit.

Ältere Arbeitnehmer würden nicht benachteiligt und seien nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen. Das mag sich so rechnen lassen. Doch ist bei den über 50-Jährigen der Anteil an Ausgesteuerten und solchen mit Mikro-Arbeitspensen ohne Pensionskasse wesentlich höher. Auch sie werden nicht mitgezählt. Und die Presse? Oft werden beschönigende Statements von Ämtern kaum in Frage gestellt.

Amt für wen oder was genau?

Im Kanton Zürich gibt es das AWA. Amt für Wirtschaft und Arbeit. Wirtschaft zuerst, aber immerhin. Im Kanton Luzern kommt die Gewichtung in der Abkürzung noch deutlicher zum Vorschein: WIRA, Dienststelle für Wirtschaft und Arbeit (3:1). Was zählt, ist offensichtlich. Die Verhältnisse sind zum Glück noch nicht so krass wie in den USA, wo der Präsident offenbar der Überzeugung ist, es gehe den Obdachlosen ebenfalls besser, wenn die Börse floriert. Ganz so einfach ist es aber nicht. Darüber kann keine Wortkreation hinwegtäuschen. Besonders drollig ist in diesem Zusammenhang der Ausdruck «nichtarbeitslose Stellensuchende».

Nomen est Omen

Wie schön wäre es, wenn ein solches Amt ARWI genannt würde! Dienststelle für Arbeit und Wirtschaft. Der Name würde ein anderes Zeichen setzen. Ein Zeichen dafür, Menschen – egal ob arbeits- oder erwerbslos – in den Mittelpunkt zu stellen.

Oder was meinen Sie? Welchen Namen würden Sie kreieren?

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